Zeitungsredaktionen unter
massivem Spardruck

STUTTGART (12.10.2009) – Zeitungsverlage entdecken Kurzarbeit und großzügige Abfindungsregelungen als schnelle Möglichkeit, Kosten einzusparen. Übereinstimmend heißt es bei den Zeitungen in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg oder Konstanz, dies sei die Folge starker Rückgänge vor allem bei den Stellenanzeigen. Das einzige Ziel sei, Entlassungen zu vermeiden.

Auch bei der „Stuttgarter Zeitung“ wurde ein Sparprogramm aufgelegt. Chefredakteur Joachim Dorfs informierte Anfang Oktober die Redaktion, das Sparziel soll eine Million Euro betragen. Kern ist eine „großzügige“ Abfindungsregelung, wie sie ähnlich auch – die ausführlich im „Blickpunkt“ berichtet - bei der „Süddeutschen Zeitung“ gilt. Dort sollen etwa 40 Mitarbeiter die Regelung angenommen haben. Diese Regelung hat der Chef der Südwestdeutschen Medien-Holding, Dr. Richard Rebmann, initiiert .

Wer bei der „Stuttgarter Zeitung“ gehen will, kassiert demnach einen Sockelbetrag von 50.000 Euro. Hinzu kommen 75 Prozent eines Monatsgehalts multipliziert mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit. Wer das Angebot bis zum 15. November 2009 annimmt, erhält zusätzlich 30.000 Euro. Die „StZ“ wird außerdem im Jahr 2010 Stellen, die frei werden, weil Kollegen in den Ruhestand gehen, nicht mehr besetzen. Vermutlich betrifft es zwei Kollegen in der Politischen Redaktion. Von einer angespannten Lage sprach kürzlich auch der Chefredakteur Christoph Grote in einer Redaktionsversammlung der „Stuttgarter Nachrichten“. Die Lage bei diesem Blatt, das ebenfalls in diesem Konzern in Stuttgart erscheint, stellt sich allerdings anders dar. Da in den nächsten Tagen der Verwaltungsrat der SWMH und die Gesellschafterversammlung über die Zukunft der Sonntagszeitung, „SONNTAG AKTUELL“ entscheiden werde, wird sich zeigen, wie es personell mit den „Stuttgarter Nachrichten“ weiter geht. Sie soll, wie „SONNTAG AKTUELL“ produzieren, ist dafür aber personell nicht ausgestattet. Im Gespräch ist die Übernahme von fünf Redakteuren von „SONNTAG AKTUELL“.

Die Badische Zeitung hat in diesem Jahr auch deutliche Einbußen im Anzeigengeschäft zu verzeichnen. „Nach den Märzzahlen war schnell klar, dass wir unsere Etatplanungen für das laufende Jahr den sinkenden Einnahmen anpassen müssen. Für die Redaktion hätte das Einsparvolumen einen Stellenabbau im zweistelligen Bereich bedeutet. Vor allem junge Journalistinnen und Journalisten hätten ihren Job verloren. Schon bei der Bekanntgabe der Zahlen haben einige vorgeschlagen, das Weihnachts- oder Urlaubsgeld zur Verfügung zu stellen, um die Arbeitsplätze der Kolleginnen und Kollegen zu sichern“, berichtet Ingrid Becker-Herfort, die Betriebsratsvorsitzende.

Erneut hat der Betriebsrat mit der Geschäftsführung nach einem Modell gesucht, das Kündigungen vermeidet und den Tarifvertrag unangetastet lässt. Sie kamen überein, dass die Mitarbeiter vorübergehend (nach § 87 Abs. 1 Ziffer 3 BetrVG) vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2009 ihre Arbeitszeit um sechs Prozent reduzieren. Entsprechend wurde auch das Gehalt gekürzt. Im Gegenzug gibt es dafür zehn zusätzliche freie Tage. Während dieser Zeit dürfen keine Kündigungen wirksam werden und dem Betriebsrat wurde zugesichert, dass der Verlag sich bemüht, junge Journalistinnen und Journalisten im Unternehmen zu halten. Der Chefredaktion sollte diese Vereinbarung Zeit verschaffen für Umstrukturierungen, die dem schmaleren Budget Rechnung tragen.

„Gegen Ende des Jahres können wir eine größtenteils positive Bilanz ziehen. Die Betriebsvereinbarung läuft aus und wird nicht verlängert. Die Jungen sind an Bord geblieben. Bei einer einzigen Kollegin konnte der Zeitvertrag nicht verlängert werden. Zwei von den drei Volontären wurden bei uns bzw. bei einer Zeitschrift in der Unternehmensgruppe untergebracht“, so Becker-Herfort (DJV). Allerdings wird die Badische Zeitung im nächsten Jahr Archiv und Korrektur schließen. Hier verlieren voraussichtlich vier der sieben Verlagsangestellten ihren Arbeitsplatz. bp

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