
Berlin (10.11.2009) - Die Tarifverträge in Medienunternehmen aller Gattungen müssen auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten ihre Gültigkeit behalten. Sie sind kein verzichtbarer Luxus von Arbeitnehmern. Das war die Kernaussage der Anträge zur Tarifpolitik auf dem DJV-Verbandstag 2009 (vom 8.-10. November 2009) in Berlin.
In der tarifpolitischen Debatte war der Erhalt der Flächentarifverträge bei allen Medienunternehmen die Kernforderung der Delegierten. Die Tarifverträge seien kein unnötiger Ballast, der in Krisenzeiten verzichtbar sei, sondern bildeten das Fundament journalistischer Arbeit in den Redaktionen. Die Delegierten forderten alle Journalistinnen und Journalisten in Zeitungs-, Zeitschriften-, Hörfunk-, Fernseh- und Onlineredaktionen auf, zusammen mit dem DJV dafür zu kämpfen, dass angemessene Gehälter und Honorare sowie faire Arbeitsbedingungen flächendeckend gültig seien.
Einstimmig haben die Delegierten des DJV-Verbandstags in Berlin die Versuche der Zeitschriftenverleger zurückgewiesen, die Lasten der Krise einseitig auf die Beschäftigten abzuwälzen. In einer Resolution sprachen sie sich für konstruktive Verhandlungen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) aus und erteilten den Verlegerforderungen nach Tarifabsenkungen eine klare Absage. Sie stellten einen Frontalangriff auf die Flächentarifverträge dar. Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen mit dem VDZ über einen neuen Manteltarifvertrag für die Zeitschriftenredakteure, die am 23. November in die zweite Runde ging.
(Siehe Meldung)

Zu fairen Arbeitsbedingungen gehört für die DJV-Delegierten auch, dass der Missbrauch der Leiharbeit endlich gestoppt wird. Einmütig verabschiedeten sie eine Resolution, die vom neu gewählten Bundestag eine gesetzliche Zeitbeschränkung der Leiharbeit verlangt. Es "werden immer mehr Dauerarbeitsplätze in der Zeitungsbranche von Leiharbeitern besetzt. Dies ist vor allem deshalb ein unerträglicher Zustand, weil dadurch die grundgesetzlich verankerte Tarifautonomie ausgehebelt wird", heißt es in der Resolution wörtlich.
DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken hat auf dem DJV-Verbandstag in Berlin die Zeitungs- und Zeitschriftenmanager als die Hauptverantwortlichen der gegenwärtigen Krise benannt. Unter dem Beifall der rund 300 Delegierten prangerte Konken "krasse Fehlentscheidungen von selbst ernannten Heiligen" an. Wenn die Verlage nicht endlich umsteuerten, werde die Krise der Unternehmen zu einer Krise des Journalismus. Statt Einsparungen und Entlassungen forderte der DJV-Vorsitzende bessere Arbeitsbedingungen für die Journalistinnen und Journalisten und größere personelle Ressourcen in den Redaktionen. Die Zukunft der Printmedien liege in einem attraktiven Mix von Zeitung, Online, Ton und bewegtem Bild. "Dieser Herausforderung müssten sich kompetente Verlagsmanager endlich stellen." Zu dem von den Verlegern geforderten Leistungsschutzrecht für Verlage merkte Konken an: "Wir werden nicht akzeptieren, dass Autorenrechte per Gesetz auf die Verleger übertragen werden, so wie diese das dem neuen schwarz-gelben Bündnis in Berlin in den Koalitionsvertrag geschrieben haben. Wir werden dafür kämpfen, dass Autoren und Fotografen für Mehrfachverwertungen angemessene Honorare erhalten."

Der DJV-Vorsitzende betonte die Bedeutung der Freien für den Journalismus und die Medien. Nie seien die Freien so qualifiziert gewesen wie heute. In krassem Gegensatz dazu stünde vielfach die Honorierung der freien Mitarbeit. Er forderte von den Verlegern: "Zahlen Sie angemessene Honorare, verhindern Sie, dass Journalismus zum Billigprodukt wird, tragen Sie dazu bei, dass Qualität in der Zeitung kein Fremdwort wird!"
DJV-Verbandstag bestätigt
Michael Konken im Amt
Mit einem klaren Votum haben die Delegierten des DJV-Verbandstags 2009 in Berlin den DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken in seinem Amt bestätigt. Mit großer Mehrheit wurde er für weitere zwei Jahre wieder gewählt. Damit konnte er sich deutlich gegen seine Herausforderin Jutta Rabe aus Berlin behaupten. Konken steht seit 2003 an der Spitze von Europas größter Journalistenorganisation. Die freien Journalisten Ulrike Kaiser und Michael Anger werden weiterhin als stellvertretende Bundesvorsitzenden dem Vorstand angehören. DJV-Schatzmeister bleibt der freie Online-Journalist Andreas K. Bittner. Zu Ehrenmitgliedern wählte der DJV-Verbandstag einmütig den ehemaligen DJV-Hauptgeschäftsführer Hubert Engeroff und das frühere DJV-Bundesvorstandsmitglied Volker Hummel.
Als Beisitzer werden dem neuen Vorstand für die nächsten zwei Jahre die NDR-Redakteurin Andrea Gottke aus Mecklenburg-Vorpommern, der Hamburger Zeitungsredakteur Heinrich Klaffs und der Redakteur und Pressesprecher Jörg Prostka aus Nordrhein-Westfalen angehören. Der Zeitungsredakteur Andreas Lang aus Rheinland-Pfalz, der ebenfalls als Beisitzer kandidiert hatte, erreichte nicht die erforderliche Anzahl an Stimmen. bp
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