
STUTTGART (19.11.2009) – Der Journalist Stefan Niggemeier hat am 18. November 2009 den mit 10.000 Euro dotierten Hans Bausch Medienpreis des Südwestrundfunks (SWR) für seine hervorragend recherchierten Analysen und klugen Einwürfe zum Medienschaffen in Deutschland erhalten.
Zu der Preisverleihung waren zahlreiche Gäste ins Fernsehstudio 1 des SWR in Stuttgart gekommen, unter ihnen auch Kultblogger Sascha Lobo. SWR-Intendant Peter Boudgoust würdigte Stefan Niggemeier bei der Preisverleihung als Blogger und Medienkritiker, der Journalisten den Spiegel vorhalte. Dies geschehe bei Niggemeier nicht plump und oberflächlich, sondern sehr differenziert. Boudgoust: „Stefan Niggemeier steht für Qualitätsbegriff, der für alle Medien gilt.“
Wolfram Weimer, Herausgeber des politischen Magazins „Cicero“ und zukünftiger Chefredakteur des „Focus“, nutzte seine Laudatio auf den Mitbegründer von „Bildblog.de“ für einen kritischen Blick auf die deutsche Medienkultur. Im europäischen Vergleich sieht Weimer die deutsche Medienkultur stark von ihren Wurzeln entfernt. Weimer: „ Die seriösen, klassisch denkenden und handelnden Journalisten werden zusehends marginalisiert. Die Schaumschläger, Zuspitzer, emotionalen Hochjazzer und PR-Spezialisten drängen hingegen auf die bunten Bühnen der Medienindustrie.“ Weimer verwies auch auf den immer größer werdenden Konkurrenzdruck der Medien untereinander. Dies führe zu einem Wettlauf um den immer heißeren, den immer gemeineren, unglaublicheren Skandal. Weimer: „ Wir jagen von einer Panik in die andere. Vorgestern Waldsterben und Klimaschock, dann Kampfhunde und SARS, gestern Feinstaub und BSE, heute Vogelgrippe – oder ist es doch die Schweinegrippe? Der Alarmismus prägt die Mediendemokratie.“
Stefan Niggemeier veröffentlicht seine medienkritischen Beiträge in Printmedien, unter anderem der FAZ-Sonntagszeitung, und vor allem in seinem eigenen Webblog. Im Gespräch mit Moderatorin Gabi Bauer betonte er, dass viele Journalisten das Internet zu Unrecht verteufelten. Statt als Konkurrenz zum professionellen Journalismus sehe er Blogs und Foren als Ergänzung. Niggemeier: „Im Netz kommen Stimmen zu Wort, die man sonst nicht hören würde.“ Das er den Hans Bausch Medienpreis verliehen bekommen habe, sehe er auch als Aufforderung an die Medien, sich der Kritik zu stellen.
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13.-14.04.2010 - JA Stuttgart
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