
60 Jahre sind keine historische Zeitspanne, die eine Epoche beschreibt. Sie umfassen normalerweise rund zwei Berufsleben, wenn Journalisten in ihrem strapaziösen Beruf halbwegs gesund bleiben. Das hindert dennoch nicht daran, zurückzublicken, Spuren zu finden die nach heute führen und hoffnungsfroh Ausblicke ermöglichen. Der Mensch lernt solange er lebt, dies gilt zuvorderst für einen Beruf, der anderen Menschen helfen soll, frei zu wählen, zu entscheiden, sich zu recht zu finden, zu integrieren und zu identifizieren. Deshalb gehört unser Beruf täglich auf den Prüfstand, unsere Gewerkschaft ebenso. Der Pressefreiheit willen, die als konstitutives Element der Demokratie und der Menschenrechte gilt. Darin sind wir nicht zu übertreffen.
60 Jahre Deutscher Journalisten-Verband in Baden-Württemberg, in einem (in dem) Bundesland mit der größten Medienvielfalt.
60 Jahre Deutscher Journalisten-Verband sind 60 Jahre Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten. Was denn sonst: Februar 1950 erste Tarifkommission, April 1950 erster Tarifvertrag bei dpa, August 1951 erste Tarifabschlüsse mit deutschen Zeitungsverlegern, 1957 erste Richtlinien für den Arbeitskampf, derzeit rund 200 Tarifverträge für angestellte und freie Journalisten, Sicherungsinstrumente für das Urheberrecht.
60 Jahre Deutscher Journalisten-Verband in Baden-Württemberg, das Datum richtet das Augenmerk auf die Organisationseinheit. In keinem anderen Bundesland entstand der DJV 1946/1947 aus drei selbstständigen Presseverbänden. Vor 60 Jahren traten freiheitliche Verfassungen für die drei Länder Baden, Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern in Kraft. Mit Garantien für Menschenrechte und Freiheit versehen.
Wenige Zeit nach dem 25. April 1952, der Gründung des Landes Baden-Württemberg, schlossen sich der Tübinger und der Stuttgarter Verband zusammen. Der Freiburger blieb vor der Tür, zwei Landesverbände in einem Bundesland, das unser früheres Mitglied Theodor Heuss mit Fug und Recht wegen seiner Vielfalt und der Kraft, die aus der Bündelung entstand, „ein Modell deutscher Möglichkeiten“ nannte. Die einzige Länderneugliederung nach dem Weltkrieg ist ein Erfolg.
Jede Vereinigung von Menschen beschert sich organisatorische Verwerfungen. Seit 1955 waren alle Gespräche für eine Fusion der beiden DJV-Verbände gescheitert, wurde schließlich nach vielen Jahren eingestellt. Der damalige Südwestdeutsche Journalisten-Verband entäußerte sich entgegen eines eindeutigen Mitgliedervotums selbst und übergab sich der Druckgewerkschaft und der Vergessenheit. Nur wenige Tage dauerte 1986 das Vakuum, am 12. Juni 1986 gründeten 17 Kolleginnen und Kollegen den neuen DJV und verschmolzen beide Landesverbände nach vielen geschwisterlichen Gesprächen der Spitze in Breisach am 14. Februar 1987. Heute hat der neue Landesverband doppelt soviel Mitglieder als die beiden alten Verbände vor 20 Jahren. Auch diese Vereinigung wird ein großer Erfolg, der Regierungsbezirk Südbaden, also das Territorium des alten Bundeslandes Baden, hat doppelt so viele Mitglieder wie 1987.
60 Jahre Deutscher Journalisten-Verband in Baden-Württemberg: Das sind heute 60 Betriebs- und Personalräte sowie rund 60 Vertrauensleute in allen Medien, 22 lebendige Kreisverbände, sowie zehn Fachausschüsse, zwei beispielhafte Bildungsvereine für alle Branchen, Mitwirkung in vielen Gremien der Medienbranchen. Der Sozialfonds der baden-württembergischen Presse ist ein Modell der sozialen Verantwortung für Kolleginnen und Kollegen, die am Ende der Fahnenstange leben. Prioritäten haben soziale und berufliche Hingabe der Gewerkschaft für die Kolleginnen und Kollegen seit 60 Jahren, in den Akten und Berichten des Bundesverbandes nachzulesen. Und der erhält regelmäßig gehörigen beruflichen und gewerkschaftlichen Kraftzuwachs aus dem Südwesten. Es bedarf des entschiedenen politischen und sozialen Engagements, um mehr als nur Sonntagsreden Platz zu geben. Unsere Gründer, zum Beispiel Dr. Helmut Cron, setzten sich seit 1949 öffentlich sehr kritisch mit der Kommerzialisierung der Printmedien auseinander, der CDU-Bundestagsabgeordnete und DJV-Kollege Paul Sethe befand: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten.“ Der Kampf geht weiter. Für Professor Kurt Biedenkopf, auch CDU, findet 1970, Mitbestimmung sei ein unverletzliches und unveräußerliches Menschenrecht. Neoliberale Tendenzen aus Angst vor den Globalisierungsfolgen ändern daran nichts: Alle mitbestimmte Betriebe, so eine EU-Untersuchung, sind produktiver. Die innerbetriebliche (institutionalisierte) und außerbetriebliche Mitbestimmung (Kollektivverträge) garantieren effizientes Wirtschaften.
60 Jahre Deutscher Journalisten-Verband in Baden-Württemberg - der DJV ist seinen Zielen treu geblieben, schärft sie im Detail aus Verantwortung vor der öffentlichen Aufgabe unseres Berufes. So frei wie die Meinung als Kern der besten deutschen Verfassung war der DJV in den vergangenen 60 Jahren. Er wird dies bleiben.
Karl Geibel
Termine 
13.-17.09.2010 - JA Stuttgart
40. Zeitschriftenseminar für Volontäre u. Seiteneinsteiger (I)
21.09.2010 - JA Stuttgart
Schreiben fürs Web -
das Basistraining