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„Sonntag Aktuell“-Redaktion
befürchtet „feindliche Übernahme“
durch Stuttgarter Nachrichten

STUTTGART (10. 7. 2009) – Der Redaktion der Sonntagszeitung „Sonntag Aktuell“ „reicht es“: In einem öffentlichen Protestbrief werfen sie der Chefredaktion der „Stuttgarter Nachrichten“ eine feindliche Übernahme vor. Die Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ und die beiden Vorsitzenden der Konzernbetriebsräte Samir Alicic (Medien Holdung Süd) und Harald Pürzel (Süddeutscher Verlag) haben ebenso bei der Konzernspitze protestiert.

„Seit über einem Jahr wird eine kompetente Redaktion, die seit Jahrzehnten ein  Qualitätsprodukt für über eine Million sehr zufriedener Leser herstellt, demotiviert und demontiert. Eine publizistische Skelettierung ohne Beispiel“, kritisiert Karl Geibel, Landesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, die jüngste Horrormeldung aus der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen. Von  einer zukunftsorientierten Betriebsführung könne seit rund zwei Jahren in diesem Konzern nicht mehr die Rede sein.   

In einem offenen Brief an Geschäftsleitung und Verleger wirft die Redaktion von „Sonntag Aktuell“ dem Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, Christoph Grote, vor, er plane „eine feindliche Übernahme“ und die „Entlassung großer Teile der bisherigen Belegschaft“. Grote hatte Mitte Juni vom Verwaltungsrat der Südwestdeutschen Medienholding den Auftrag erhalten, in einer Arbeitsgruppe ein Konzept für eine „moderne Sonntag Aktuell“ zu erarbeiten. In einer Redaktionsversammlung in der vergangenen Woche hatte Grote mit herabwürdigender Kritik, so der offene Brief, verbunden mit Entlassungsdrohungen ( „Am Ende des Jahres sehe ich hier nicht mehr alle am Tisch“)  eine Mitwirkung der „Sonntags“ - Mannschaft abgelehnt.

Mit dem Projekt beauftragt war Ende des vergangenen Jahres bereits eine andere Projektgruppe, die eine „Premium Ausgabe“ erarbeiten sollte, auch die Sonntag Aktuell-Redaktion legte einen Entwurf vor – beide  wurden wohl von der Konzernspitze trotz guter Ergebnisse bei einer Leserbefragung nicht akzeptiert. In die neue Arbeitsgruppe berief Grote keinen Mitarbeiter von „Sonntag Aktuell“.

In einer Sonderausgabe zum 30. Geburtstag von „Sonntag Aktuell“ hatte der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding, Dr. Richard Rebmann, die weitere Existenz der Sonntagszeitung versprochen, sie wird von 40 Partnerzeitungen mit einer Gesamtauflage von 620 000 verteilt. „Eine erfolgreiche Entwicklung der Medien in diesem Konzern sind aufgrund der miserablen Führung nicht zu erwarten“, so ein Funktionsträger im Konzern.

Die beiden Konzernbetriebsräte verurteilen die Aussagen des Chefredakteurs der Stuttgarter Nachrichten, Christoph Grote, in der Redaktionskonferenz Anfang Juli. Dieser soll eine Relaunch-Arbeitsgruppe für Sonntag Aktuell leiten. Aussagen wie „Am Jahresende werden hier weniger Leute am Tisch sitzen“ oder „Sie machen ein beliebiges, weinerliches, betuliches Blatt“ sind nicht nur im Ton unanständig, sondern auch inhaltlich eine reine Management-Fiktion, die den letzten Rest an journalistischem Urteilsvermögen vermissen lässt. Dass es Handlungsbedarf gibt, hat die Redaktion längst erkannt und einen eigenen Entwurf für eine verbesserte Sonntagszeitung vorgelegt. Unqualifizierte Belehrungen der genannten Art hat diese erfahrene Redaktion nicht nötig.“

Die Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ unterstützt die Forderungen der Kollegen von „Sonntag Aktuell“, die sie in ihrem offenen Brief vom 7. Juli 2009 erhoben haben. „Es darf nicht sein, dass eine Redaktion, die über Jahre hinaus unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet hat, jetzt überfallartig bedroht und gedemütigt wird. Dies ist kein zivilisierter Umgang unter Menschen, geschweige denn ein kollegiales Miteinander, das im Stuttgarter Pressehaus lange Zeit gegolten hat.“  Die StZ-Redaktion protestiert gegen dieses schockierende Vorgehen in aller Schärfe und versichert den Kollegen ihrer siebten Ausgabe ihre volle Solidarität : „Wir tun dies auch deshalb, weil die Qualität unserer siebten Ausgabe erhalten bleiben muss. Das sind wir unseren Lesern schuldig.“    bp

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