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Werner Schwarzwälder gestorben: Unser Beruf verdankt ihm viel

Werner Schwarzwälder starb mit 67 Jahren. Bild: Wolff-Seybold

Werner Schwarzwälder ist tot. Der langjährige Chefredakteur des Südkurier und Mitgründer des neuen DJV in  Baden-Württemberg starb am 8. Dezember 2011 in seinem Heim auf der Insel Reichenau. Ein Jahr lang hatte er gegen eine heimtückische Krankheit gekämpft, die im November 2010 bei ihm diagnostiziert wurde. Sie besiegte letztendlich diesen starken und  sportlichen  Menschen,  sie ließ ihm keine Chance, Werner Schwarzwälder wurde nur 67 Jahre alt.

Am 2. August 1944 wurde Werner Schwarzwälder im bayerischen Bad Reichenhall geboren, wuchs im Schwarzwaldkurort Königsfeld auf, besuchte dort das Zinzendorf- Gymnasisium und in Villingen die Höhere Handelsschule. Journalismus zieht den jungen Mann an, dessen innewohnende Neugier an vielen Dingen der Welt interessiert ist - ab 1962 berichtet er über und aus dem Kurort Königsfeld für den Südkurier.

50 Jahre später schreibt Dieter Wacker, lange Jahre journalistischer Wegbegleiter, in  der Konstanzer Zeitung: „Werner Schwarzwälder  war über viele Jahre hinweg so etwas wie das Synonym für den Südkurier, dem er den weitaus größten Teil seines Lebens eng verbunden war.“

Nach einer Lehre als Speditionskaufmann in Villingen und vier Jahren als Zeitsoldat bei der Bundeswehr - im Lauf von folgenden Wehrübungen wurde er Major der Reserve -  kehrte er zum Südkurier zurück. Ab 1970 volontierte er beim Südkurier - und wurde Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband.

Für Werner Schwarzwälder begann ein außergewöhnlicher Werdegang, der in unserer Branche sehr selten ist. Ab 1975 leitet er die Lokalredaktion in Villingen, 1980 wechselt er als Lokalchef nach Konstanz, 1990 wird er Chef vom Dienst und stellvertretender Chefredakteur, im September 1994 wird er zum Chefredakteur berufen, September 2007 zum Senior Manager, der im Haus neue, zukunftsorientierte Medienprodukte entwickelt.

Werner Schwarzwälder, der leidenschaftlich vernünftige, weil kritische und faire Journalist, gab dieser großen Tageszeitung ein neues Gesicht und ein publizistisches Gewicht. „Der Südkurier verdankt ihm viel“, schreibt Dieter Wacker zum Wochenbeginn in der Zeitung, der Werner Schwarzwälder rund 50 Jahre treu war.

Treue, nach Karl Jaspers absolut oder gar nicht, war für Werner Schwarzwälder mit Disziplin, Geradlinigkeit, Kollegialität und Anstand Grundausstattung für seinen Beruf. Als wir am 12. Juni 1986 nach fürchterlichen innergewerkschaftlichen Querelen den neuen DJV Baden-Württemberg in zwei leeren Nebenräumen des ZDF-Studios in Stuttgart gründeten, war Werner Schwarzwälder dabei. Kraftvoll wirkte er als stellvertretender Landesvorsitzender mit - später  als Kreisvorsitzender Bodensee, auch beim noch im Sommer 1986 den Mitgliedern vorgelegten Arbeitsprogramm „ (Aus-) Bildung, (Fort-)Bildung, (Weiter-)Bildung“. Er, wir waren getrieben von der Überzeugung, dass  nur Qualitätsmedien Zukunft haben und sie dafür hoch qualifizierte und sozial abgesicherte Journalisten brauchen.

Das sollte die Kernkompetenz der neuen Gewerkschaft sein. Das war das Thema von Werner Schwarzwälder, im Betrieb und überbetrieblich. Dafür und für einen Ausbildungstarifvertrag ging er auch Mitte der 80er Jahre auf die Straße.

Wir beide verhandelten mit dem Südwestdeutschen Zeitungsverlegerverband, um eine neue Arbeitsgemeinschaft für überbetriebliche Aus- und Fortbildung (JBB) zu gründen, die, einzig in Deutschland, paritätisch von Gewerkschaft und Verlegerverband gestaltet und geführt wird. Dies gelang und Werner Schwarzwälder blieb als deren Vorsitzender bis kurz vor seinem Tode.

Selbst bei großen beruflichen oder betrieblichen Herausforderungen wollte er nicht nachlassen. Die Treue zählte und sein ethisches Maßwerk. Über 700 verschiedene Seminare hat er begleitet. Viele tausend Volontäre und junge Redakteure erinnern sich an Werner Schwarzwälder. Diese Bildungsarbeit wirkte nachhaltig, weil sie alltäglich in den Beruf hineinfließt.

So trauern viele mit seiner Frau und seinen Kindern. Nicht nur der Südkurier, auch unser Beruf, unsere Gewerkschaft verdanken ihm viel.

Karl Geibel