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Was die Menschen wirklich von den Medien wollen

Bürgerforen

20.01.2026
Ansprechpartner*in
Markus Pfalzgraf

Teilnehmende des Bürgerforums stellen ihre Empfehlungen an die Medien vor

Bei Bürgerforen der Pressestiftung Baden-Württemberg haben sich mehrere Dutzend Zufallsbürger:innen darüber ausgetauscht, was sie für Wünsche an die Medien haben. Herausgekommen sind interessante und teils überraschende Forderungen.

Bürgerforen der Pressestiftung: Ergebnisse lassen aufhorchen

Wir Journalist:innen glauben oft zu wissen, was die Menschen sehen, lesen oder hören wollen. Eine seltene Gelegenheit, die Interessen der Nutzenden aus erster Hand und in geballter Form zu erfahren, bot die Pressestiftung Baden-Württemberg. Die Stiftung wird vom DJV, den Verlegern und der Landespressekonferenz getragen. Unter ihrem Vorsitzenden Jens Schmitz hat sich die Pressestiftung neu ausgerichtet: Mit den Bürgerforen hat sie eine einzigartige Gelegenheit für offenen Austausch geschaffen. Dafür wurden mehrere Dutzend Zufalls-Bürger:innen ausgewählt, die sich in mehreren Runden getroffen haben. Die Ergebnisse lassen aufhorchen.

Ein „Deutschland-Ticket für Medien“ und eine europäische Mediathek gehörten zu den konkreten Vorschlägen für eine neue Mediennutzung. Der Wunsch, dass mehr Inhalte für mehr Menschen einfacher verfügbar sein sollten, war deutlich spürbar. Hier wären aus Sicht des DJV Baden-Württemberg auch regionale Angebote denkbar, also eine deutschlandweite Flatrate für Texte aus Zeitungen und Online-Medien, ergänzt um eine Option für ein Abo beispielsweise für Inhalte aus dem Südwesten. Damit wäre allen geholfen: Die Nutzenden würden zugleich gezielter und gebündelter an Informationen kommen, und die Verlage und Online-Medien könnten verlässliche Bezahlmodelle entwickeln.

Forderungen aus den Bürgerforen richteten sich auch an Medienschaffende selbst: Sie sollten zur politischen Bildung verpflichtet werden. Inhalte, die mit Künstlicher Intelligenz erzeugt werden, sollten gekennzeichnet werden – eine Forderung, die der DJV ausdrücklich unterstützt. Ebenso ein besserer Schutz für Journalist:innen vor Anfeindungen.

Der DJV-Landesvorsitzende Markus Pfalzgraf kam mit mehreren Teilnehmenden ins Gespräch, um genauer zu erfahren, was hinter den Wünschen steckt. Eine IT-Fachfrau erzählte, wie beflügelnd ein solcher Austausch mit unterschiedlichen, zufällig zusammengewürfelten Menschen sei. Das würde sie sich auch in anderen Teilen der Gesellschaft wünschen: Sie habe die „Vision, dass Bürgerforen etwas selbstverständliches werden,“ beispielsweise auch in politischen Prozessen.

Eine Mutter aus Freiburg betonte, wie wichtig die Regulierung sozialer Medien sei. Dazu wurden auf dem Bürgerforum Altersbeschränkungen und Zeitlimits diskutiert, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Aber auch die Plattformen wurden in den Blick genommen: Anbieter müssten stärker in die Pflicht genommen werden. Leider habe niemand von den großen Tech-Firmen auf Anfragen für den Dialog reagiert, erzählte die Teilnehmerin.

Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne), die zu den Adressatinnen der Forderung gehörte, zeigte sich begeistert von den Ideen. Sie formulierte auch das übergeordnete Ziel, einen guten Journalismus zu erhalten. „Demokratie ohne Qualitätsjournalismus ist nicht denkbar,“ sagte Aras. SWR-Intendant Kai Gniffke sagte zu, dass sein Sender sich die Empfehlungen genau anschauen werde: „Da kommt Arbeit auf uns zu.“

Alle Ergebnisse und Eindrücke aus den Bürgerforen gibt es bei der Pressestiftung, die gemeinsam mit der Baden-Württemberg-Stiftung das Projekt durchgeführt hat. 

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