Schon zum vierten Mal in Folge
DJV BW beim CSD in Stuttgart dabei
Der VW-Bus unseres Geschäftsführers lauft ganz schön heiß: Durch die Menschenmassen in der Stuttgarter Innenstadt zieht er die tonnenschwere "Blackrock", den Party-Anhänger mit dem wir in diesem Jahr schon zum zweiten Mal beim CSD in Stuttgart und davor auch schon bei den Kundgebungen in München und Köln am Start waren. Der Name ist Programm: Das Teil ist komplett in schwarz gehalten - und es rockt! Unten im Anhänger sind große Boxen verbaut, die dem bunten Publikum mit wummernden Bässen ordentlich einheizen. Oben auf dem Wagen sorgen feiernde und tanzende DJV-Mitglieder für Stimmung, drumherum verteilen unsere Ordner*innen (die "Ordner"-Armbinde wurde eigenhändig modifiziert) Flyer und kleine Werbegeschenke an die meist ebenfalls feiernden und tanzenden Menschen am Straßenrand. Diese könnten bunter und vielfältiger kaum sein: Neben einer Gruppe bunt verkleideter Männer küsst sich ein lesbisches Paar leidenschaftlich, zwischen Drag-Queens, "Puppies" und Transmenschen steht eine Familie mit kleinen Kindern, die sich riesig über die Gummibärchen freuen, die ihnen DJV-Landesvorsitzender Markus Pfalzgraf mit einem Lächeln in die Hand drückt. Und gegenüber steht eine junge Frau, die ein Schild hoch hält mit dem treffenden Slogan: "Wer nicht denkt und wer nichts weiß, der glaubt dem ganzen Nazi-Scheiß".
"Gerade in Zeiten, in denen queere Menschen wieder vermehrt mit Anfeindungen aus der rechten Ecke zu tun haben, ist es wichtiger denn je, auch als Journalistenverband Flagge zu zeigen für Vielfalt", so erklärt Pfalzgraf die Intention des Verbandes für die Teilnahme an der Kundgebung, die zwar auch eine große bunte Party ist, in erster Linie aber als politische Demonstration verstanden werden will. "Als Journalistenverband setzen wir uns täglich für Medienvielfalt ein, also eine möglichst vielfältige Medienlandschaft, die verschiedene politische Standpunkte abdeckt. Mindestens genauso wichtig ist es aber, dass auch in den Medien selbst die Vielfalt der Gesellschaft abgebildet wird". So werde zum Beispiel in Beiträgen oder Artikeln, die Familien zum Thema haben, noch oft das gezeigt, was viele für die deutsche Durchschnittsfamilie halten: Ein heteronormatives Paar mit zwei Kindern, welche ganz offensichtlich Junge oder Mädchen sind. "Warum kann es nicht auch einfach mal ein homosexuelles Paar sein oder Menschen, die nicht auf den ersten Blick einem Geschlecht zugeordnet werden können", fragt Pfalzgraf, der selbst in einer Regenbogenfamilie lebt und als Redakteur für den SWR tätig ist. Auch das trage dazu bei, dass queere Lebensrealitäten sichtbar würden und damit auch zunehmend als normal und alltäglich wahrgenommen werden. Denn auch wenn viele Nicht-Betroffene das kaum glauben können: Selbst in einer relativ liberal geprägten Großstadt wie Stuttgart sei es noch immer kein Einzelfall, dass Transmenschen oder erkennbar homosexuelle Paare in der Öffentlichkeit angefeindet und diskriminert würden, schildet Pfalzgraf Erfahrungen aus der queeren Szene.
Doch zumindest an diesem Tag ist in Stuttgart kein Platz für Diskriminierung. Laut Schätzungen haben sich über hunderttausend Menschen an der Kundgebung beteiligt und ließen sich auch von einem heftigen Platzregen nicht die Stimmung vermiesen. Mit insg. 160 Wagen und Fußgruppen war die CSD-Parade die größte, die je in Stuttgart stattgefunden hat, und im übrigen nach Berlin und Köln auch die drittgrößte in Deutschland. Das zeigt: Stuttgart ist weltoffen, tolerant und ganz bestimmt nie wieder still, wenn es um die Rechte queerer Menschen geht. Der DJV ist lautstark mittendrin - und das ist gut so.