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Trotz Einschüchterungsversuch der Geschäftsführung

Gemeinsame Streikversammlung mit guter Beteiligung

07.10.2025

Mit wehenden Fahnen: Kämpferische Stimmung bei der Streikversammlung

Foto: Gregor Schwarz

Am gestrigen Montag, dem letzten Tag des mehrtätigen Warnstreiks, fand im Stuttgarter Gewerkschaftshaus eine Streikversammlung statt, bei der neben den Kolleg*innen der ZGS auch die Soli-Streikenden von StZN Redaktionsgesellschaft, Kreiszeitung Böblinger Bote sowie Cannstatter und Esslinger Zeitung eingeladen waren. Trotz des Gebarens der Geschäftsführung, die für die Teilnahme am Solidaritätsstreik mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht hatte, ließen sich viele Betroffene nicht einschüchtern und legten trotzdem ihre Arbeit nieder.

"Wer heute hier ist, beweist Mut". Mit diesen Worten begrüßte Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Schwarz vor allem auch die Streikenden, die sich trotz des haltlosen Einschüchterungsversuches getraut hatten, am Solidaritätsstreik teilzunehmen. Es sei der Geschäftsführung nicht gelungen, die Belegschaft zu spalten, so Schwarz weiter. Auch wenn bei früheren Versammlungen schon noch mehr Solidaritätsstreikende dabei waren, sei die gute Beteiligung ein wichtiges Zeichen an den Arbeitgeber, so DJV- Landesgeschäftsführer Gregor Schwarz (die Namensgleichheit ist rein zufällig) in seiner Rede: "Jetzt wissen die Ulmer mal, mit wem sie es in Stuttgart zu tun haben", sagte er mit Blick auf die neue Geschäftsführung aus der Neuen Pressegesellschaft Ulm, welche in den laufenden Tarifverhandlungen für einen ZGS-Haustarifvertrag den bereits gefundenen Kompromiss vom Tisch gewischt hatte. Immerhin habe man aber schon die Presseversorgung für alle redaktionell tätigen ZGS-Mitarbeitenden erreicht, dies sei bei allem Ärger ein wichtiger Erfolg und Beleg dafür, dass die massive Streikbewegung in der ZGS nicht umsonst gewesen sei. 

Auch der Betriebsrats- und DJU-Landesvorsitzende Dr. Michael Trauthig beklagte in seiner Ansprache die Verschlechterung der Unternehmenskultur, welche offenbar mit der Übernahme im Betrieb Einzug gehalten habe. "Wir haben es jetzt mit einem Arbeitgeber zu tun, der nicht davor zurückschreckt, seine Mitarbeitenden mit Unwahrheiten einzuschüchtern, nur um einen legitimen Streik zu verhindern", sagte Trauthig zu den Ereignissen der letzten Tage. "Die Verhandlungen waren bisher hart, jetzt werden sie noch härter", so seine Einschätzung der aktuellen Situation im Hinblick auf den laufenden Tarifkonflikt. 

Diese deckte sich mit zahlreichen Wortmeldungen aus dem Kreise der Streikenden bei der anschließenden Aussprache. Viele Beteiligten schilderten die ausgesprochen schlechte Stimmung im Betrieb, die Drohung der Geschäftsführung mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen für die Teilnahme am Solidaritätsstreik  habe noch deutlich zur ohnehin schon großen Verunsicherung beigetragen. Teilweise wurde auch Verständnis für die Kolleg*innen geäußert, die sich anhand dieser Umstände diesmal nicht am Streik beteiligen wollten. Thema war auch das neue Angebot der Geschäftsführung, welches statt auf verlässliche Gehaltssteigerungen durch Berufsjahresstaffeln auf leistungsabhängige, jährliche Steigerungen von gerade einmal ca. 1% und zusätzliche Boni als Einmalzahlungen setzt. "Wie soll den bitte journalistische Arbeit nach Leistung bewertet werden" - fragte ein Teilnehmer stellvertretend für viele andere. Es sei zu befürchten, dass künftig noch stärker als ohnehin schon Klickzahlen oder Abo-Abschlüsse zum einzigen Kriterium für die journalistische Arbeit würden. Auch die von der Arbeitgeberseite geforderte Festlegung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche (Tarif: 36,5 Stunden) wurde als sehr kritisch gesehen, vor allem von (dienst-) älteren Kolleg*innen. Gerade mit zunehmenden Alter werde eine höhere Wochenarbeitszeit zur Belastung, merkte eine Kollegin an. Wenn überhaupt müsse es für die längere Arbeitszeit einen angemessenen Lohnausgleich geben, so die einhellige Meinung. 

Die Verhandlungsführer nehmen die starke Unterstützung aus dem fünftägigen Warnstreik und den beiden gut besuchten Streikversammlungen jetzt mit in die weiteren Verhandlungen. Bis zum Monatsende werden die Gewerkschaftsvertreter ein Gegenangebot zum Modell der Geschäftsführung auf den Tisch legen, über das dann in der nächsten Verhandlungsrunde am Do. 13.11.2025 konkret verhandelt werden soll. Ob dabei ein akzeptabler Haustarifvertrag herauskommen wird, erscheint zum jetzigen Zeitpunkt aber mehr als fraglich.