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DJV BW sieht die Entwicklung mit großer Sorge

Wieder massiver Personalabbau bei Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten

10.07.2026

Dunkle Wolken über dem Stuttgarter Pressehaus - wieder einmal

Fast jährlich grüßt das Murmeltier: Schon wieder sollen im Stuttgarter Pressehaus ca. 40 Stellen abgebaut werden, schon wieder sind massive Umstrukturierungen geplant. Viele Mitarbeitenden sollen in die "Neue Berliner Redaktionsgesellschaft" wechseln - wohl aus perfiden Gründen.

Es waren neue Hiobsbotschaften, die den Redakteur*innen der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten mit ihren Tochterzeitungen (Esslinger Zeitung, Kreiszeitung Böblinger Bote etc.) am Dienstag in einer Videokonferenz verkündet wurden: Weitere 40 Stellen sollen über ein Freiwilligenprogramm im Stuttgarter Pressehaus abgebaut werden. Auch sollen zwischen 50 und 80 Kolleg*innen aus der tarifgebundenen Redaktionsgesellschaft sowie aus der Zeitungsgruppe Stuttgart, für die seit Anfang des Jahres endlich ein Haustarifvertrag gilt, in die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR) überführt werden. Diese ist eine der zahlreichen Tochtergesellschaften der Neuen Pressegesellschaft (NPG) aus Ulm, die wiederum seit gut einem Jahr neue Inhaberin der Stuttgarter Zeitungen ist. 

Warum ausgerechnet Berlin, könnte man sich fragen. Die Antwort dürfte recht einfach sein: Die NBR ist weder tarifgebunden, noch existiert dort ein Betriebsrat. Für Mitarbeitende, die in die neue Gesellschaft wechseln, bleibt zwar in aller Regel der Arbeitsvertrag in seiner jetzigen Form bestehen, allerdings profitieren die Kolleg*innen dann nicht mehr automatisch von künftigen Tariferhöhungen und die Einstiegsgehälter bei Neueinstellungen dürften deutlich unter Tarifniveau liegen. Auch sollen die sog. “Thementeams” am Standort Stuttgart neu zusammengesetzt werden und künftig nur noch aus dem Großraum Stuttgart und Baden-Württemberg berichten. Die Redaktionen der Stuttgarter Zeitungen, einst Aushängeschild der baden-württembergischen Presselandschaft mit bundesweitem Renommee, verkommen damit zu reinen Lokal- bzw. Regionalredaktionen. 

Das Stellenabbauprogramm ist das fünfte in den letzten ca. zehn Jahren. Die Mitarbeitenden im Pressehaus fragen sich schon seit Langem, wie mit so wenigen Leuten künftig noch eine anständige Zeitung produziert werden soll. Aus der Belegschaft hört man, dass die Stimmung unterirdisch sei, viele Kolleg*innen sähen keine Zukunft mehr im Stuttgarter Pressehaus und würden sich längst nach anderen Jobs umschauen. 

DJV-BW Geschäftsführer Gregor Schwarz weist noch auf einen anderen Aspekt hin: Die Belegschaft der Zeitungsgruppe Stuttgart hatte in den letzten drei Jahren mit 25 Streiktagen und viel Solidarität der tarifgebundenen Kolleg*innen endlich einen guten Haustarifvertrag für die ZGS erkämpft. “Wenn jetzt zahlreiche Kolleg*innen in eine tariflose Untergesellschaft überführt werden sollen, in der noch nicht einmal ein Betriebsrat existiert, riecht das schon sehr danach, dass sich die NPG die aus ihrer Sicht zu aufmüpfigen und streikfreudigen Stuttgarter gefügig machen will.” Er prophezeit: Man werde als DJV gemeinsam mit ver.di unbequem bleiben und Arbeitnehmerrechte konsequent durchsetzen, egal ob in Stuttgart oder in Berlin. 

Den schleichenden Niedergang der Stuttgarter Zeitungen sieht man im DJV mit großer Sorge: Guten Journalismus gibt es nur mit guten - und genügend - Journalist*innen! 

NACHTRAG: Der SWR hat in seiner Sendung “SWR aktuell 19:30 Uhr" am 10.07.2026 ausführlich über das Thema berichtet, inkl. zweier O-Töne unseres Geschäftsführers. Der Beitrag ist hier zu finden (ab Min. 2:42): 

https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/sendung-19-30-uhr-vom-10-7-2026/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMzU1OT

Bei Rückfragen: Gregor Schwarz, Geschäftsführer, Tel. 0151 62 52 36 82