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Verkauf der Medienholding Süd

DJV appelliert: Kein weiterer Kahlschlag bei den Stuttgarter Zeitungen und beim Schwarzwälder Bote

28.05.2025

Für alle Beteiligten überraschend hat die Südwestdeutsche Medienholding heute in einer Mitarbeiterversammlung und einer sehr knappen Pressemitteilung verkündet, dass die Mehrheitsanteile (82%) der Medienholding Süd GmbH (MHS) an die Neue Pressegesellschaft Ulm ("Südwestpresse" und weitere Titel) verkauft werden soll. Der DJV BW fordert in diesem Zusammenhang, sämtliche Stellen zu erhalten und die Tarifverhandlungen für die Zeitungsgruppe Stuttgart fortzuführen.

Die Nachricht vom gepanten Verkauf der MHS GmbH fällt mitten in eine Zeit massiver Umstrukturierung bei den Stuttgarter Zeitungstiteln (u.a. Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Esslinger Zeitung, Kreiszeitung Böblinger Bote etc.): Rund 45 Stellen werden aktuell über ein Abfindungsprogramm abgebaut, die sogenannten Thementeams werden neu zusammengestellt und gleichzeitig wird über einen Tarifvertrag für die bisher tariflose Untergesellschaft Zeitungsgruppe Stuttgart GmbH (ZGS) verhandelt. 

"Nachdem wir noch gestern in konstruktiver Atmosphäre Tarifverhandlungen für die ZGS mit der Verlegern geführt haben, kommt die Nachricht vom Verkauf des Großteils der MHS-Anteile auch für uns heute sehr überraschend", beschreibt DJV-Landesgeschäftsführer Gregor Schwarz die Gefühlslage. Der Schritt bringe weitere Unruhe in eine ohnehin schon sehr verunsicherte Belegschaft. Viele Kolleg*innen hätten Angst um ihren Arbeitsplatz, andere fürchten um die regionale Identität der Zeitungen, wenn diese künftig mehrheitlich einem in Ulm ansässigen Medienunternehmen gehören. 

Zumindest aus arbeitsrechtlicher Sicht kann Schwarz aber zunächst Entwarnung geben, denn bei einem Betriebsübergang bleiben grundsätzlich alle Arbeitsverträge erhalten und gehen zu denselben Konditionen auf den neuen Anteilseigner über. Ob es dadurch aber mittel- oder langfristig zu weiteren Umstrukturierungen mit Stellenabbau über Abfindungsprogramme oder sogar betriebsbedingten Kündigungen kommen wird, könne niemand vorhersagen, so Schwarz weiter. 

Der DJV Baden-Württemberg fordert die neuen Anteilseigner in aller Entschiedenheit dazu auf, auf keinen Fall noch mehr Stellen bei den Titeln der Medienholding Süd abzubauen. Schon jetzt ist die Personaldecke sehr dünn, zumal für die Redakteur*innen immer mehr Aufgaben wie Social-Media-Content etc. dazukommen. Auch sehen wir die Geschäftsführung der ZGS in der Pflicht, die Tarifverhandlungen trotz der neuen Entwicklungen nicht platzen zu lassen. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht der Belegschaft.  

Nachtrag: DJV-Landesgeschäftsführer Gregor Schwarz hat sich im SWR ausführlich zu dem Thema geäußert.  

Radio-Beitrag in SWR Kultur: 

https://www.ardaudiothek.de/episode/swr-aktuell-im-gespraech/verkauf-von-bw-regionalzeitungen-journalistenverband-warnt/swr-aktuell/14639361/

TV-Beitrag in SWR aktuell um 19:30 Uhr (Beitrag ab 03:35): 

https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/sendung-19-30-uhr-vom-28-5-2025/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyNDQxMDU

TV-Beitrag in SWR aktuell um 21:45 Uhr (Beitrag am Anfang): 

https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/sendung-21-45-uhr-vom-28-5-2025/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyNDQxMjg

Auch das Deutschlandradio hat in der Sendung "medias res" über das Thema berichtet: 

https://www.deutschlandfunk.de/stellenabbau-und-neue-fuehrung-frust-bei-stuttgarter-nachrichten-und-zeitung-100.html?fbclid=IwY2xjawKs4rhleHRuA2FlbQIxMQBicmlkETFUa3hKcFBVeWNBdllIWGZzAR65ZFB7bjZmDJqM7b5Toxtzir6mX2a3Q9lSfG6qKhFEwIuj0CqayD8sQXpYjg_aem_A6CzNfsF-5CdMVIpMIsm5Q