Einmalzahlungen aus 2025 freiwillig gewährt
DJV begrüßt Vorstoß der Rhein-Neckar-Zeitung im Tarifstreit

Der Tageszeitungsverlag aus Nordbaden setzt in Teilen die Tarifeinigung um, die die Arbeitgeberseite wieder verworfen hat. Daher findet bei der RNZ nur eine verkürzte Streikaktion statt.
Im monatelangen Tarifkonflikt um die Gehälter von RedakteurInnen bei Tageszeitungen zeichnet sich eine neue Entwicklung ab. Die Rhein-Neckar-Zeitung, ein tarifgebundener Verlag aus Nordbaden, hat eigenständig Teile der Tarifverständigung zwischen den Gewerkschaften DJV und dju auf der einen Seite und dem BDZV auf der anderen Seite umgesetzt. Obwohl die Arbeitgeber in einer nie da gewesenen Kehrtwende ihre Zustimmung wieder zurückgezogen hatten.
"Das ist ein starkes Zeichen der Geschäftsführung der RNZ an die Arbeitgeberseite", kommentiert Götz Münstermann, Vorsitzender des DJV Mannheim-Heidelberg. "Die destruktive Verhandlungsweise des BDZV muss ein Ende haben", so der RNZ-Angestellte. Der bereits erreichte Verhandlungskompromiss für eine Gehaltssteigerung sei für die wirtschaftliche Leistungskraft der Betriebe offensichtlich unproblematisch. Warum sonst würde eine Geschäftsführung eines Unternehmens so handeln. "Der längst ausgehandelte Gehaltstarifvertrag muss umgehend und umfassend abgeschlossen werden", fordert der DJV-Vertreter.
In der Woche vor den anstehenden Tarifverhandlungen am 18.7.25 vereinbarte die Geschäftsführung der RNZ rechtlich bindend mit dem Betriebsrat die Umsetzung der für 2025 vorgesehenen Tariferhöhungen. Die Initiative hierfür ging von der Geschäftsführung aus und gilt sofort, rückwirkend zum 1. März 2025 und fortlaufend bis zum Abschluss eines regulären Tarifvertrages.
Mitte Mai hatten DJV und dju sowie der BDZV sich in den Tarifverhandlungen bei den Gehältern verständigt: Im Jahre 2025 sollte es zum 1.3.25 100 Euro und zum 1.5.25 weitere 90 Euro rückwirkend als Gehaltserhöhung für alle RedakteurInnen geben. Im Jahre 2026 waren lineare Erhöhungen um 2 Prozent zum 1.2.26 sowie nochmals 2 Prozent zum 1.10.26 vorgesehen. Bei einer sehr langen Laufzeit von 29 Monaten sollte es zum 1.3.27 nochmals eine Einmalzahlung von 200 Euro geben.
Diese Verständigung widerriefen die Arbeitgeber bei der letzten Verhandlung plötzlich und wollten nur noch eine Gehaltsverbesserung von 100 Euro für 15 Monate zahlen.
Die Geschäftsführung der Rhein-Neckar-Zeitung hat nach eigenen Angaben den Arbeitgeberverband über ihr Handeln in Kenntnis gesetzt, die längst vereinbarte Gehaltserhöhung für 2025 freiwillig und verbindlich umzusetzen.
Die streikbereiten RedakteurInnen der RNZ haben deshalb beschlossen, sich nur am Donnerstag zeitweise an den die ganze Woche laufenden Arbeitskampfmaßnahmen der Belegschaften anderer Verlage zu beteiligen. Die starke Streikbeteiligung im April und Mai habe die RNZ-Geschäftsführung zu diesem Schritt bewogen. Entsprechend wolle man selbst hausintern ein Signal der Deeskalation senden.
"Jetzt geht es darum, dass diese Tarifverständigung komplett und flächendeckend umgesetzt wird", so der DJV-Vertreter. "Das vom BDZV wieder verworfene Verhandlungsergebnis war ein Kompromiss, der unter den tatsächlichen Bedürfnissen der Redakteurinnen und Redakteuren liegt." Der BDZV müsse als verlässlicher und kompromissfähiger Akteur an den Verhandlungstisch zurückkehren und das bereits ausverhandelte Ergebnis übernehmen.